Kurz gesagt: Ein Notar ist in sechs Situationen im Spiel — beim Kauf oder Verkauf einer Immobilie, bei der Übertragung innerhalb der Familie, bei Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, bei Testament und Erbvertrag, bei Unternehmen und GmbH sowie bei der Hofübergabe. In manchen dieser Fälle schreibt das Gesetz die notarielle Beurkundung zwingend vor, in anderen ist sie nur praktisch nötig. Diese Seite sortiert, welcher Fall welcher ist.

Zwei- bis dreimal im Leben — und meist bei einer großen Entscheidung

Die meisten Menschen gehen zwei- bis dreimal in ihrem Leben zu einem Notar. Und fast immer geht es dabei um etwas Großes: um das Haus, um das, was einmal von einem bleibt, oder um die Frage, wer entscheiden darf, wenn man selbst nicht mehr kann.

Das ist eine ungewöhnliche Kombination — seltener Anlass, große Tragweite. Man kann es nicht üben. Man macht es einmal, und beim ersten Mal soll es richtig sein.

Dazu kommt, dass die meisten vorher nicht wissen, was sie erwartet. Man weiß, dass ein Termin ansteht. Man weiß, dass etwas vorgelesen wird. Und man weiß, dass es Geld kostet. Der Rest ist Nebel.

Was ein Notar ist — und was er ausdrücklich nicht ist

Es gibt einen Irrtum, der fast alle Missverständnisse rund um das Notariat erzeugt: Der Notar sei so etwas wie ein Anwalt für Verträge.

Das ist er nicht.

Ein Anwalt vertritt eine Seite. Er holt für seine Mandantschaft das Beste heraus, notfalls zulasten der anderen Seite. Das ist sein Auftrag, und das ist auch richtig so.

Ein Notar macht das Gegenteil. Er vertritt niemanden. Er ist Träger eines öffentlichen Amtes und beiden Seiten gleichermaßen verpflichtet — dem Käufer wie dem Verkäufer, dem Übergeber wie dem Übernehmer.

Seine Aufgabe besteht aus drei Teilen:

  • Belehren. Er sorgt dafür, dass beide Seiten wissen, was sie unterschreiben. Das ist der eigentliche Kern des Amtes.
  • Gestalten. Er formuliert so, dass die Regelung auch in fünf Jahren noch trägt — nicht nur heute, wenn sich alle einig sind.
  • Abwickeln. Fristen, Absicherungen, Anträge beim Grundbuchamt. Der Beurkundungstermin ist nicht das Ende, sondern der Anfang.

Eine Besonderheit überrascht viele: Notarkosten sind gesetzlich festgelegt. Für dieselbe Sache kostet es bei jedem Notar in Deutschland gleich viel. Es gibt keine Rabatte und kein Verhandeln — ein Notar darf gar nicht weniger nehmen. Mehr dazu auf der Seite Notarkosten beim Immobilienkauf.

Die sechs Anlässe im Überblick

1. Immobilie kaufen oder verkaufen

Der mit Abstand häufigste Fall — und hier führt kein Weg vorbei. Ein Grundstückskaufvertrag ist ohne notarielle Beurkundung unwirksam. Nicht anfechtbar, nicht schwebend, sondern nichtig. Das Gesetz erzwingt den Notar, weil zu viel auf dem Spiel steht.

Weiter zum Ablauf beim Immobilienkauf und zu den Aufgaben des Notars beim Kaufvertrag.

2. Immobilie innerhalb der Familie übertragen

Das Haus an die Tochter, der Anteil an den Sohn, oft schon zu Lebzeiten. Auch das muss beurkundet werden. Und es ist der Fall, bei dem am meisten schiefgehen kann — weil neben der Übertragung fast immer noch etwas anderes geregelt werden will: ein Wohnrecht, eine Pflegeverpflichtung, ein Ausgleich für die Geschwister.

3. Vorsorge: Vollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsverfügung

Hier ist der Notar nicht zwingend vorgeschrieben — eine Vollmacht darf man auch selbst schreiben. Sobald es aber um Immobilien oder um Geschäfte mit Banken geht, wird die notarielle Form in der Praxis gebraucht, weil sonst niemand die Vollmacht akzeptiert.

Mehr dazu unter Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

4. Testament und Erbe

Ein Testament darf man handschriftlich selbst verfassen, und es ist wirksam. Der Notar kommt ins Spiel, wenn es komplizierter wird — Patchworkfamilie, Unternehmen, ein Kind mit Behinderung — oder wenn später der Erbschein gespart werden soll. Ein Erbvertrag dagegen geht ausschließlich beim Notar.

Weiter zu Testament und Erbvertrag und zur gesetzlichen Erbfolge.

5. Unternehmen und Nachfolge

Eine GmbH gründen, Geschäftsanteile übertragen, den Gesellschaftsvertrag ändern, die Nachfolge regeln — das läuft praktisch immer über den Notar und das Handelsregister.

6. Hofübergabe und Hofnachfolge

In Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein folgen landwirtschaftliche Betriebe eigenen Regeln: der Höfeordnung. Wer einen Hof übergibt oder erbt, bewegt sich in einem Rechtsgebiet, das mit dem allgemeinen Erbrecht wenig zu tun hat.

Wann ist der Notar Pflicht — und wann nur sinnvoll?

Vorgang Notarielle Form
Grundstücks- oder Immobilienkaufvertrag Zwingend — sonst nichtig
Immobilienübertragung in der Familie Zwingend
Grundschuldbestellung für die Bank Zwingend in der Praxis
GmbH-Gründung, Anteilsübertragung Zwingend
Ehevertrag Zwingend
Erbvertrag Zwingend
Testament Freiwillig — handschriftlich ebenfalls wirksam
Vorsorgevollmacht Freiwillig — für Grundbuch und Banken praktisch nötig
Patientenverfügung Freiwillig — Schriftform genügt

Die Folge zum Anhören und Ansehen

Diese Übersicht ist zugleich Folge 4 des Podcasts „Alles klar, Herr Notar!“. Sie dauert rund acht Minuten.

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Weitere Informationen

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Die Kapitel der Folge

  • Zwei- bis dreimal im Leben — warum man den Notartermin nicht üben kann
  • Was ein Notar ist und was nicht: belehren, gestalten, abwickeln
  • Die sechs Anlässe im Überblick
  • Worum es auf diesem Kanal geht — und worum nicht
  • Eine Frage zum Mitnehmen

Häufige Fragen

Wann braucht man zwingend einen Notar?

Zwingend ist die notarielle Beurkundung beim Grundstücks- und Immobilienkaufvertrag, bei der Übertragung von Immobilien innerhalb der Familie, bei der GmbH-Gründung und der Übertragung von Geschäftsanteilen, beim Ehevertrag und beim Erbvertrag. Fehlt die Beurkundung, ist der Vertrag unwirksam.

Ist ein Notar dasselbe wie ein Anwalt?

Nein. Ein Anwalt vertritt die Interessen einer Seite. Ein Notar vertritt niemanden — er ist Träger eines öffentlichen Amtes und beiden Seiten gleichermaßen verpflichtet. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass beide Seiten verstehen, was sie unterschreiben.

Kann ich mir den Notar frei aussuchen?

Ja. Sie können jeden Notar in Deutschland beauftragen. Sparen können Sie dadurch allerdings nichts: Die Gebühren sind im Gerichts- und Notarkostengesetz festgelegt und überall gleich hoch. Rabatte oder Sonderpreise sind einem Notar berufsrechtlich untersagt.

Was kostet ein Notar?

Die Kosten richten sich nach dem Wert des Geschäfts und der Art der Tätigkeit, beides ist gesetzlich vorgegeben. Beim Immobilienkauf können Sie für Notar und Grundbuchamt zusammen mit rund anderthalb Prozent des Kaufpreises rechnen — und mit rund zwei Prozent, wenn zusätzlich eine Grundschuld eingetragen wird.

Brauche ich für ein Testament einen Notar?

Nein. Ein eigenhändig geschriebenes und unterschriebenes Testament ist wirksam. Ein notarielles Testament ist sinnvoll, wenn die Familiensituation komplizierter ist, wenn Unternehmen oder Immobilien im Spiel sind oder wenn den Erben später der Erbschein erspart bleiben soll.

Muss eine Vorsorgevollmacht notariell sein?

Gesetzlich vorgeschrieben ist das nicht — Sie dürfen eine Vollmacht selbst verfassen. In der Praxis wird die notarielle Form aber gebraucht, sobald es um Immobilien oder um Geschäfte mit Banken geht, weil eine privatschriftliche Vollmacht dort häufig nicht akzeptiert wird.

Darf mein Ehepartner ohne Vollmacht für mich entscheiden?

Nur sehr eingeschränkt. Seit 2023 gibt es ein Notvertretungsrecht zwischen Ehegatten, das jedoch ausschließlich Gesundheitsangelegenheiten abdeckt, längstens sechs Monate gilt und nur in einer akuten Notlage greift. Für Bankgeschäfte, Behördengänge oder Immobilien gilt es nicht.

Was passiert eigentlich beim Notartermin?

Der Notar liest die Urkunde vollständig vor, erklärt die einzelnen Regelungen und beantwortet Fragen. Erst danach wird unterschrieben. Je nach Vertrag dauert das eine halbe bis anderthalb Stunden. Der Termin ist dabei nicht der Abschluss, sondern der Beginn der Abwicklung.

Was diese Seite ist — und was nicht

Was Sie hier finden, ist Orientierung: die Struktur, in der Ihr Fall steckt. Es ist keine Rechtsberatung im Einzelfall — dafür fehlen Ihre Unterlagen, Ihre Familiensituation und Ihre Zahlen. Die Entscheidung selbst gehört in ein Gespräch, in dem jemand Ihre konkreten Papiere vor sich liegen hat.

Und es ist kein Ersatz für den Notartermin, sondern eine Vorbereitung darauf. Die Termine, die gut laufen, sind die, bei denen die Beteiligten vorher verstanden haben, worum es geht — nicht, weil sie dann weniger fragen, sondern weil sie die richtigen Fragen stellen.

Andreas-Oliver Meyer ist Rechtsanwalt und Notar mit Amtssitz in Celle. Weitere Folgen und Themen finden Sie in der Mediathek.